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  • Lara

Sitges und Almaty: Vom sonnigen Spanien ins eisige Kasachstan

Hallo zusammen,

da nun das Chessable Sunway Sitges Chess Festival 2022 zu Ende gegangen ist und für mich jetzt als nächstes eines der spannendsten Turniere überhaupt ansteht, ist es eindeutig an der Zeit für einen nächsten Blogeintrag.


Im vorigen Beitrag berichtete ich euch von den ersten 6 Runden und dem freien Tag in Sitges.


Von den letzten 4 Runden konnte ich leider nur noch zwei Runden spielen. In Runde 7 legten mich starke Kopfschmerzen lahm, sodass ich nicht zur Runde erscheinen konnte und die Partie kampflos abgab. Zum Glück ging es mir aber am Abend schon etwas besser und am nächsten Tag konnte ich wieder antreten.



Ich spielte gegen den Bulgaren Yavor Nikolov eine nicht ganz fehlerfreie, aber schöne Angriffspartie. Mein Gegner hatte schon nach etwa 20 Zügen seine gesamte Bedenkzeit aufgebraucht, musste also noch 20 weitere in jeweils 30 Sekunden machen, um es zur Zeitkontrolle zu schaffen. Dabei ließ er mich meine Stellung immer weiter verbessern bis praktisch alle Figuren perfekt standen und ich nur noch den Sack zumachen musste. Hier gewann ich durch das Manöver Tb1-b7 nebst f6.




In Runde 9 spielte ich gegen den französischen Großmeister Paul Velten. Es entstand eine Isolani-Stellung, in der mein Gegner mit Angriff auf den schwarzen Feldern seine Bauernschwäche im Zentrum kompensierte. Die Stellung befand sich lange im Gleichgewicht. Ich verpasste allerdings die Gelegenheit mit einem Turmtausch etwas Material vom Brett zu nehmen und so konnte er einen starken Vorposten im Zentrum für seinen Turm nutzen. Wenig später geriet ich unter die Räder seines Angriffs und musste mich geschlagen geben.






Am Abend erfuhr ich, dass meine Fluggesellschaft meinen Rückflug nach Hannover wegen eines Streiks vermutlich streichen wird. Eine Schocknachricht für mich, denn ich habe schon am Folgetag meinen Flug nach Almaty in Kasachstan, um dort die Schnell- und Blitzschach-Weltmeisterschaft zu spielen. Wenn ich also in Sitges/ Barcelona festhänge, würde dies bedeuten, dass ich nicht mehr rechtzeitig nach Almaty komme. Also entschied ich mich dazu, mich für die letzte Runde abzumelden und schon einen Tag eher aus Sitges abzufliegen. Ärgerlich für die letzte Runde, aber so bin ich nun gut in Hamburg gelandet und bekomme garantiert morgen meinen Flug nach Almaty.



Insgesamt habe ich in Sitges nun 4,5 Punkte aus 8 gespielten Partien erlangt. Auf jeden Fall keine zufriedenstellende Bilanz, da ich auch etwa 18 Elo in Sitges gelassen habe. Zusammen mit 15 gewonnenen Elopunkten beim diesjährigen Wieste-Cup, den ich Anfang Dezember mit 5/5 gewinnen konnte, wird meine Elo sich trotzdem im Dezember kaum verändern. Schachlich hätte es in Sitges also besser laufen können, aber wie schon im ersten Blogeintrag geschrieben, ist das Sitges Chess Festival wohl eines der bestorganisierten Open mit der schönsten Umgebung, das ich je gespielt habe.



Eine Sache, die ich besonders erstaunlich und beeindruckend fand, ist, dass das gesamte Hotel schachlich umdekoriert wurde. Zahlreiche Bilder im Hotel wurden abgenommen und durch Schachbilder von bekannten Spielern und Schachmotiven ersetzt. Der Flur war mit Infoschildern über alle Schachweltmeister ausgestattet, die Tischdecken waren schwarz-weiß-kariert und Speisesaal und Bar wurden mit Schach-Hintergründen versehen. Überall im Hotel war Schach präsent.








Da jeden Tag nur eine Runde um 16:30 Uhr war, fand ich neben der Partie und der Vorbereitung auf den Gegner auch noch Zeit für einige andere Aktivitäten wie Fahrradtouren an der Promenade am Meer entlang und natürlich etwas Shopping und Handeln an den kleinen Schmuck-Straßenständen. An einem Tag wurde im Hotel ein Paella-Kochworkshop angeboten, bei dem ich zum ersten Mal eine Paella kochte, unter Anleitung eines ausschließlich spanisch sprechenden Sternekochs. Trotz meiner nicht-vorhandenen Spanisch-Kenntnisse verstand ich meistens, was zu tun war und ich muss sagen, die Paella war sehr lecker!




Morgen, am 24.12., fliege ich nun nach Almaty/Kasachstan. Um 18 Uhr startet der Flieger nach Istanbul und von dort aus geht es dann nach Almaty, wo ich um 9:45 Uhr Ortszeit morgens am 25.12. ankommen werde. Das bedeutet also, dass ich Heiligabend in der Luft verbringe. Eine etwas spezielle Art, Weihnachten zu feiern, aber für eine Weltmeisterschaft nimmt man das in Kauf.

Für mich wird es eine extreme Umstellung sein von 20 Grad Barcelona-Wärme zu -10 Grad Almaty-Kälte.


Am 26.-28. findet die Schnellschach-Weltmeisterschaft mit 11 Runden statt, am 29. und 30. Dezember wird die Blitz-Weltmeisterschaft mit 17 Runden ausgetragen. Täglich wird ab 15 Uhr Ortszeit gespielt, was in Deutschland ab 10 Uhr morgens ist.


Der Zeitplan:


Ich bin bei beiden Meisterschaften mittig, aber noch in der unteren Hälfte gesetzt. Ich freue mich sehr darauf, in so einem starken Feld mitzuspielen. Die Meisterschaften sind in der Spitze sehr stark besetzt: bei den Frauen führen Kosteniuk, Lagno, Tan Zhongi, Goryachkina, Dzagnidze, Harika Dronavalli und Koneru Humpy die Listen an. Bei den Männern sind Carlsen, Nakamura, Duda, Rapport, Nepomniachtchi, Grischuk, Vachier-Lagrave, Caruana usw. die Topgesetzen.


Ich bin sehr gespannt auf die Weltmeisterschaften und natürlich auf Kasachstan.


Bis zum nächsten Blogeintrag, den es bald über die Ereignisse in Kasachstan geben wird,

eure Lara




chess results Teilnehmerliste Rapid-WM: https://chess-results.com/tnr706382.aspx?lan=0&art=0&flag=30

chess results Teilnehmerliste Blitz-WM: https://chess-results.com/tnr706384.aspx?lan=0&art=0&flag=30

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