Team-Goldmedaille bei der Studenten-Weltmeisterschaft in China: Von Medaillen, Kulturschocks und Weltwundern
Die Studenten-Weltmeisterschaft 2026 führte mich nach Liaocheng in China. Diese fand dort vom 10.-16. Oktober statt.
Die Meisterschaft lief durchaus erfolgreich: Ich gewann die Team-Goldmedaille zusammen mit Luis und Jana. Für die Team-Wertung wurden die besten drei Ergebnisse aus einer Delegation zusammengestellt.

Die deutsche Delegation bestand aus 6 Spielern: Jana, Svenja, Luis, Tobias, Nikolas und mir. Dmitrij hat uns als Trainer unterstützt und Christoph war unser Delegationsleiter.


Das Turnier wurde mit einem ungewöhnlichen Modus gespielt: Wir hatten 60 Minuten für die gesamte Partie mit 30 Sekunden Inkrement. Diesen Modus hatte ich vorher noch nie gespielt, habe mich aber schnell damit eingegroovt. Insgesamt holte ich 6,5/9 Punkte und habe dabei keine einzige Partie verloren. So war ich zusammen mit drei anderen Spielerinnen mit 6,5 Punkten auf dem geteilten 2. Platz. Nun musste die Buchholz entscheiden, wer am Ende auf dem Treppchen steht und da hatte ich leider das Pech, dass ich aufgrund eines einzigen mickrigen Buchholz-Punktes "nur" auf dem 5.Platz landete. Das war natürlich schade, aber so ist das eben mit der Buchholz. Für die Team-Wertung war das Ergebnis aber trotzdem sehr gut, sodass ich zusammen mit Jana, die mit 7,5 Punkten das Turnier (Frauen) gewann und Luis, der mit 6,5 Punkten im Männerturnier Zweiter wurde, die Team-Medaille vor Ausrichterland China und Polen gewann.


Ein schöner Abschluss der Partie gelang mir in Runde 1 gegen Fang Kun aus Singapur: Hier fängt Ld8 überraschenderweise den Turm auf g5.

Auch ein interessanter Moment war in Runde 8, als ich gegen Martyna Wikar aus Polen gewann. Nach einer dynamisch Partie, in der ich zuerst ziemlich auf dem Acker stand, konnte ich nun einiges an Gegenspiel aufziehen und stand hier bereits wieder besser. Der letzte Zug von Schwarz Se5 lässt mich nun endgültig in die Gewinnstellung kommen und zwar mit Dd5+ Kh8 und d4. Nun hat der Springer kein Feld mehr: Sg6 würde an Dc6 mit Doppelangriff scheitern. Übrigens nicht Df7? mit Doppelangriff, da nach Tf8 Dxg6 Txf2 die weiße Dame weg ist.
Meine Gegnerin opferte ihren Springer für 2 Bauern, aber ich behielt einen Bauern übrig, sodass ich die Mehrfigur zum Sieg verwerten konnte.

Vielen Dank an den Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband (adh) für das Ermöglichen der Teilnahme an dieser Weltmeisterschaft! Es hat mich sehr gefreut, Deutschland, den adh und meine Uni, die SRH Mobile University, bei dieser WM vertreten zu dürfen.
Gleichzeitig zur Schachmeisterschaft wurde auch die Uni-WM im Bridge ausgetragen. So lernten wir die deutsche Bridge-Delegation kennen und es war sehr interessant, über Turniere einer anderen Denksportart zu sprechen.
Insgesamt hatte ich in China bisher meinen größten Kulturschock (zusammen mit Indien, dort es war auch sehr anders.).

Viele Menschen in Liaocheng wollten mit uns Fotos bzw. Selfies machen, einfach nur aufgrund unseres Aussehens - weiße Haut und blonde Haare. Da alle superfreundlich waren und sich immer sehr über die Fotos gefreut haben, haben wir natürlich gerne zugestimmt. Häufig wurden wir auch einfach so von Leuten auf der Straße fotografiert und gefilmt, daran musste man sich erstmal gewöhnen, in Deutschland ist das schließlich ein No-Go jemanden einfach so offensichtlich zu fotografieren.
Überall waren die Menschen sehr freundlich. Eine Volenteer des Turniers schenkte mir sogar eine selbstgemacht Musikspieluhr. Das hat mich sehr gerührt.
Die Sprachbarriere war definitiv riesig, so gut wie niemand sprach Englisch, sodass die Übersetzer-App immer im Einsatz war.
Außerdem habe ich in Liaocheng meine bisher günstigste Taxifahrt angetreten, eine 3 km Tour kostete 1,5 Yuan, also 25 Cent.
Insgesamt merkte man sehr stark, dass es in China eine kollektivistische Kultur gibt, in der die Gruppe betont wird, während wir bei uns eine individualistische Kultur gewohnt sind, bei der der einzelne Mensch im Vordergrund steht.
Die Meisterschaft war sehr gut organisiert, alles war bis ins kleinste Detail durchdacht, witzigerweise sogar mit welche Hand wir bei der Eröffnungsfeier ins Publikum winken sollten.
Das Turnier war eine tolle und erfolgreiche Erfahrung!
Im Anschluss an das Turnier besichtigen wir noch 3 Tage lang Peking. Wir schlenderten die Wangfuging-Einkaufstraße entlang, buchten eine Tour durch die Verbotene Stadt und wanderten auf der Chinesischen Mauer.
Peking hat 22 Millionen Einwohner und an der ein oder anderen Stelle hat man dies definitiv auch gemerkt. Besonders an der Chinesischen Mauer waren es unglaubliche Menschenmassen, die sich das Neue Weltwunder anschauen wollten. Daher musste man erst eine unglaublich lange Schlange hinter sich lassen, bis man endlich auf der Mauer stehen konnte: Die Belohnung war eine atemberaubende Aussicht. Je weiter wir auf der Mauer liefen, desto leerer wurde es dann auch und wir konnten den Ausblick auf das Gebirge und die Mauer genießen. Die Chinesische Mauer ist in ihrer Gesamtlänge übrigens 21.000 km lang, also die Hälfte der Länge des Äquators - Wahnsinn.
Interessanterweise findet man in China kaum vegetarisches Essen. Während es bei uns ja Gang und Gebe ist, dass es auch ein vegetarisches Angebot auf der Speisekarte gibt, war dies in China nie der Fall. Erst als wir in ein spezielles vegetarisches Restaurant gefahren sind, von denen es in ganz Peking aber auch nur extrem wenige gibt, wurden wir fündig.
Am letzten Tag wollten wir uns dann noch den Tempel der Sonne anschauen, um vor Ort witzigerweise festzustellen, dass es diesen gar nicht mehr gibt. So konnten wir aber trotzdem einen sehr schönen Park genießen.
Diese Reise war defititv etwas Besonderes und hat sehr viel Spaß gemacht!
Bis bald, eure Lara

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