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  • AutorenbildLara

Start-Ziel-Sieg: Bremer Meister mit 8,5/9 - Teil 1

Kurz nach der Europameisterschaft in Montenegro startete ich schon beim nächsten Turnier, nämlich bei der Bremer Einzelmeisterschaft. Dieses 9-rundige Turnier fand vom 01.-08. April im Mahndorfer Bürgerhaus in Bremen statt.


Es gelang mir eines meiner besten Turniere jemals zu spielen: Ich gewann die Meisterschaft mit 8,5/9 Punkten. Ich darf mich damit auch über genau 30 gewonnene Elo-Punkte freuen, was bedeutet, dass ich meine Elo wieder über 2300 katapultiert habe. Endlich konnte ich diese „magische“ 2300-Marke wieder überschreiten.




Ich startete super ins Turnier und konnte einen Sieg nach dem anderen einheimsen. Nachdem ich die ersten fünf Runden alle gewinnen konnte, hatte ich schon einen ganzen Punkt Vorsprung auf das Verfolgerfeld. Als mir in der sechsten Runde der topgesetzte IM Giorgi Chokhonelidze recht schnell ein Remis anbot, fackelte ich nicht lange und nahm dieses Angebot an. So behielt ich schließlich mindestens einen halben Punkt Vorsprung. Es gelang mir tatsächlich alle weiteren Partien zu gewinnen. Bereits eine Runde vor Schluss stand ich mit 1,5 Punkten Vorsprung als Turniersieger fest und konnte nicht mehr eingeholte werden. Doch auch die letzte Runde war mir wichtig: Hier ging es für mich darum, ob ich meine Elo auf >2300 bekommen kann. Dazu war ein Sieg notwendig. Auch dieses Vorhaben gelang mir, in diesem Turnier klappte einfach alles wie am Schnürchen.


Foto von Heinz Hinrichs

Durch diesen Turniersieg bin ich nun Bremer Meister („der Herren“ sozusagen), als erste Frau in Bremen konnte ich den allgemeinen Bremer Meistertitel gewinnen. Damit habe ich mich nun auch zur Deutschen Meisterschaft „der Herren“ qualifiziert. Da die Deutsche Meisterschaft „der Herren“ und die Deutsche Meisterschaft der Frauen vermutlich gleichzeitig stattfinden wird, stehe ich nun vor der Qual der Wahl: Spiele ich bei der Frauen-Meisterschaft mit und versuche meinen Titel als Deutsche Meisterin zu verteidigen oder nutze ich meinen Qualifikationsplatz bei den Herren und mische bei der Deutschen Herren-Meisterschaft mit? Am liebsten würde ich natürlich gerne beide Herausforderungen annehmen.


Wie immer möchte ich euch gerne die spannendsten Stellungen aus meinen Partien präsentieren. In diesem Blogeintrag findet ihr die Stellung zunächst mit einem Hinweis auf die Farbe, die am Zug ist. Wenn ihr mögt, könnt ihr die Stellungen also auch als Taktikaufgaben lösen:


In Runde 1 ist natürlich wie üblich der Elo-Unterschied sehr groß und ein Sieg deshalb „Pflicht“. Trotzdem freute ich mich über eine nette taktische Kombination, die mir in der ersten Runde gegen Harm Schröder gelang.


Weiß am Zug


Hier funktioniert das Springeropfer auf h5: Sxh5 gxh5 Dxh5+ Kg8 Dg6 Nun ist der gefesselte Springer auf e6 doppelt angegriffen. Er kann für den Moment zwar noch mit Te8 gedeckt werden, nach Tf6 gab sich mein Gegner jedoch geschlagen, da der Springer auf e6 endgültig verloren geht.






In Runde 2 kam ich gegen Mohamad Alhamid nicht sonderlich gut aus der Eröffnung.



Weiß am Zug

Im vorherigen Zug hätte ich unbedingt die Chance nutzen sollen, mit Sg4 die Leichtfiguren auf e5 und f4 in den Blick zu nehmen! Stattdessen spielte ich Sh5?!, wonach der weiße Einschlag auf g6 stark gewesen wäre, was ich dann während der Partie auch befürchtete.


Schwarz am Zug

Mein Gegner ließ die Gelegenheit des sofortigen Opfers auf g6 verstreichen und versuchte das Opfer auf später zu verschieben, unter besseren Bedingungen. Wenn ich hier den Turm nach f8 zurückziehen würde, wäre Sxg6 noch um ein Vielfaches gefährlicher. Also müssen dynamische Maßnahmen ergriffen werden. Ich spielte das starke Qualitätsopfer Lxe5 gxf4 Lxf4, wonach das Läuferpaar und der schwache weiße König mehr als genug Kompensation für die Qualität boten und ich auch diese Partie letztendlich gewinnen konnte.


In der dritten Runde gegen Oliver Steffens kam ich direkt mit einem soliden Vorteil aus der Eröffnung.


Weiß am Zug

In dieser Stellung gibt es eine Möglichkeit einen klaren Bauern zu gewinnen: Dc2! Dieser Zug deckt indirekt den Bauern auf g2: Nach Dxg2 würde Le4 nebst Sc7 mit Materialgewinn folgen. Zusätzlich greift der Damenzug auch noch den Bauern auf h7 an. Schwarz hat aber keine Zeit diesen mit …h6 oder …g6 zu decken, denn Sxa7 ist ebenfalls zur Drohung geworden. Ich konnte meinen Mehrbauern anschließend souverän verwerten und die 100% behalten.


Diese Stellung entstand in der vierten Runde gegen Dennis Martin.


Weiß am Zug, letzter schwarzer Zug war Dg6

Für Weiß ist hier unbedingt Prophylaxe mit Kh1 angesagt. Die Partiefortsetzung war Td1, wonach Lh3 sehr unangenehm die weiße Bauernstruktur angreift. Nach Lf1 folgt Lg4! Te1 Txd2! Dxd2! Sf3+ mit Damengewinn oder Matt nach gxf3 Lxf3 Lg2 Dxg2# In der Partie deckte mein Gegner das Matt mit g3, wonach aber die weißen Felder um den König herum zu schwach werden und ich schließlich Material einsammeln konnte.



In diesem Turnier hatte ich die perfekte Unterstützung von meinem Freund Dominik, der auch an dieser Meisterschaft teilgenommen hat. Da es überwiegend Einzelrunden waren, nutzten wir die freie Zeit für einen gemeinsamen Urlaub in Bremen.




Ein schickes Turmopfer, das Dominik in der 6. Runde mit Schwarz gegen Hayo Hoffer aufs Brett brachte, möchte ich euch nicht vorenthalten:


Auch der Rückzug Sf6 war möglich, aber Txh3 war der forcierteste (und schönste :)) Weg zum Sieg. Es folgte Kxh3 Se3+ Kh2 bxc4 bxc4.












Mit der langen Rochade wird dem Turm der Weg zur h-Linie geräumt: 0-0-0! Kh1 Th8! Sh2 Und nun kommt mit Se5! auch noch die letzte Angriffsfigur dazu und stellt jede Menge Drohungen wie Dc6+/Db7+ und Sg4 auf.


Es folgte Tf2 Db7+ Tf3 Sxf3 0-1 Das Matt ist nicht mehr abzuwehren.







Die interessantesten Stellungen aus meinen Partien der zweiten Hälfte des Turniers stelle ich euch in meinem nächsten Blogeintrag vor. In den Runden 5-9 konnte ich u.a. einen abhandengekommenen g-Bauern, einen König in der Mitte und gestrandete Figuren am Damenflügel ausnutzen.


Bis bald,

eure Lara


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