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Silber nach erfolgreichem Finish – Deutsche Vizemeisterin 2026

  • Autorenbild: Lara
    Lara
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Stunden

Im Rahmen des diesjährigen Schachgipfels in Dresden wurde die Deutsche Frauenmeisterschaft 2026 ausgetragen. Für mich endete das Turnier mit einem erfolgreichen Abschluss: Durch den Sieg in der Schlussrunde gegen Dinara Wagner sicherte ich mir mit 6,5 Punkten aus 9 Partien den Vizemeistertitel. Über diese Silbermedaille in der Meisterklasse freue ich mich sehr.


Dabei begann das Turnier ziemlich holprig. In der ersten Runde bekam ich eine hervorragende Stellung gegen Sarah Papp, vergab dann aber innerhalb weniger Züge alle meine Vorteile und musste mich in der ersten Runde geschlagen geben. Dies ärgerte mich natürlich, aber in solchen Situationen darf man nicht verzweifeln, das Turnier ist noch lang. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Diese Niederlage sollte der einzige Verlust des Turniers bleiben.

In der zweiten Runde besiegte ich dann Lisa Sickmann, nachdem ich im Endspiel einen wichtigen Bauern gewann.


Danach kam wieder eine ärgerliche Runde: Gegen Jana Schneider stand ich mehrfach auf Gewinn, brachte die Partie aber nicht nach Hause und musste nach langem Kampf schließlich dem Remis zustimmen. Im ersten Drittel des Turniers war also wirklich noch Sand im Getriebe…


Ein wichtiger Wendepunkt war dann die nächste Runde gegen Josefine Safarli. Josefine und ich hatten bisher in all unseren Partien gegeneinander (und es gab schon einige…) Remis gespielt. Doch dieses Mal kam es anders. Ich bekam mit Schwarz meine Vorbereitung aufs Brett und hatte nach der Eröffnung komfortablen Ausgleich.


An dieser Stelle gewann ich dann mit 23...Dxc3 einen Bauern, da Weiß wegen des hängenden Turms auf e1 keine Zeit hat, meinen b-Bauern zu schlagen. Der b-Bauer machte schließlich das Rennen und ich gewann.








Danach gewann ich eine glatte Partie gegen Dora Peglau. Sie überraschte mit einem Paulsen-Sizilianer mit schnellem Sc6.



An dieser Stelle dachte ich also das erste Mal in der Partie länger nach und entschied mich schließlich für 7.Dg4, um den g7-Bauern anzugreifen und damit die Entwicklung des f8-Läufers zu erschweren. Hinterher habe ich erfahren, dass 7.Dg4 eine Neuerung war und noch nie vorher in der Partie gespielt wurde, die in der Mega- oder Lichess-Datenbank zu finden ist. Das konnte ich erst kaum glauben, aber tatsächlich habe ich am Brett im 7. Zug eine Neuerung gefunden, die auch der Engine gut gefällt. Später hatte ich die folgende Situation auf dem Brett.



Hier ist ein wichtiges taktisches Motiv e6 mit Abzug auf die ungedeckte schwarze Dame und nach Dxg3 hat man den Zwischenzug dxf7 mit Schach. Doch nun war die Frage: Mit Lxe3 oder Txe3 vorher oder sofort e6. Die richtige Antwort war das sofortige 20.e6, was ich auch spielte. Denn nach 20...Dxg3 21.exf7+ Txf7 22.hxg3 kann der Springer weder den Turm noch den Läufer schlagen, weil Te8 Matt setzt. Also kann man im nächsten Zug den Springer e3 schlagen und dann auf f7 die Qualität gewinnen, welche ich dann zum Sieg verwertete.


Anschließend trennte ich mich nach einer spannenden Partie Remis von Olga Babiy mit einem Remis und gewann danach gegen Charis Peglau eine weitere Partie. Hier spielten wir lange eine Stellung mit ungleichfarbigen Läufern und Schwerfiguren, welche für mich zwar klar besser war, aber es war alles andere als einfach, die gegnerische Festung zu knacken.


Schließlich gelang es mir aber hier mit Lf6, den schwarzen Turm komplett einzusperren. De facto hatte ich dadurch einen Turm mehr und keine Probleme mehr, den Sack zuzumachen.


Als nächstes folgte ein weiteres Remis gegen Kateryna Dolzhykova. Hier hatte ich zwischendurch einen sehr guten Angriff, fand aber nichts Klares und sammelte stattdessen einen Bauern ein. Dieser Mehrbauer war allerdings nicht von langer Dauer, denn im Endspiel kamen ihre Figuren wieder gut ins Spiel und ich musste noch eine Weile verteidigen, bis das Remis feststand.


Nun stand also nur noch die letzte Runde aus, in der ich gegen unsere Nummer 1 und Titelverteidigerin Dinara Wagner spielen musste.


Die Turniersituation war auch denkbar spannend: Jana und Dinara lagen mit 6 Punkten aus 8 Runden vor Kateryna und mir mit jeweils 5,5 Punkten. Da auch Jana und Kateryna noch nicht gegeneinander gespielt hatten, trugen also die ersten vier in der letzten Runde direkt den Titel aus.

Letzte Runde             Foto: Finn Engesser
Letzte Runde Foto: Finn Engesser

In der Partie gegen Dinara kam ich zunächst in eine etwas unangenehme passive Stellung. Ich verteidigte so gut es ging, versuchte, meine Stellung überall zusammenzuhalten und meine Figuren nach und nach zu verbessern.


In dieser Stellung war ich schon wieder ganz zufrieden mit meiner Stellung. Die schwarze Dame und der Läufer auf a2 haben nicht viel erreicht, meine Leichtfiguren decken sich sehr gut gegenseitig. Ich sah, dass ich nun auch zum Gegenangriff übergehen könnte und spielte 34.Le7. Hier griff meine Gegnerin mit wenig Zeit auf der Uhr zum Deckungszug 34...Kg7. Dies war der Verlustzug für Dinara. Ich spielte 35.Df3 und plötzlich ist der f6-Bauer und damit der ganze Königsflügel nicht mehr zu verteidigen. Dinara versuchte noch mit 35...Lf4 36.gxf4 Sxf4 ein Figurenopfer, doch außer einer Mattdrohung auf der Grundreihe, die ich mit Dd1 deckte, hat Schwarz keine Kompensation. So fuhr ich in der letzten Runde einen wichtigen Sieg ein, was mir zu Zeitpunkt des Partieendes mindestens den Vize-Titel einbrachte.


Bei Jana und Kateryna entwickelte sich ein langer Kampf im Turmendspiel. Jana stand überwiegend auf Gewinn, was bedeutete, dass sie mit einem halben Punkt Vorsprung auf mich auf dem ersten Platz landete. Doch auf einmal gab es wieder Remischancen. Bei einem Remis hätten Jana und ich einen Stichkampf um Platz 1 spielen müssen. Schließlich gewann Jana aber doch, sicherte sich damit den Titel und es kam nicht zum Stichkampf.


Siegerehrung                                             Bild: Finn Engesser
Siegerehrung Bild: Finn Engesser

Mit dem Vize-Titel bin ich sehr zufrieden. Mein Turnierverlauf zeigt einmal mehr, dass man nach einem durchwachsenen Start nicht den Kopf in den Sand stecken darf. Mit viel Kampfgeist und Spaß am Schachspielen kann man jedes Turnier noch zu einem guten Ergebnis bringen.



Zusätzlich gewann ich 19 Elo Punkte und bin damit auf meinem Elo-Peak von 2345.


Der Gipfel in Dresden war ein tolles Erlebnis. Der Spielsaal und das Hotel lagen direkt an der Elbe ganz in der Nähe der Dresdener Altstadt.



Als nächstes spiele ich im August noch ein Turnier in London, bevor es dann im September nach Samarkand / Usbekistan zur Olympiade geht.


Bis bald,

eure Lara

 

 
 
 

2 Kommentare


axpeter10
vor 2 Tagen

Glückwunsch zu dieser Leistung.

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cewo luca
cewo luca
vor 2 Tagen

Klasse Leistung Glückwunsch zur Silber Medaille ich hab schon gedacht anfangs du verlierst gegen Dinara aber naja zum glück hat sie was eingestellt. Muss man auch sagen fairerweise mit der Zeitnot ist kacke. Hattest du eigentlich auch schon verrückte Partien ich hatte mal in einer langzeit partie 4 Leichfiguren gegen Dame bekommen in der Eröffnung und es am ende souverrän gewonnen.

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