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Bremer Meister, mein Ticket zur Deutschen Meisterschaft - Teil 2

Wie schon im letzten Blogeintrag angekündigt, folgt hier der zweite Teil meines Blogs zur Bremer Meisterschaft, die ich mit 8,5/9 Punkten gewinnen konnte.



Ihr findet die Diagramme meiner Stellungen wieder mit einem Hinweis auf die Farbe, welche am Zug ist, vor. So könnt ihr die Stellungen auch als (Taktik-)Aufgaben lösen. Viel Spaß dabei.


In Runde 5 spielte ich gegen Simon Frank den Vierbauern-Angriff gegen seine Aljechin-Verteidigung. Er überraschte mich früh mit einem witzigen, objektiv natürlich etwas zweifelhaftem Gambit.



Weiß am Zug


Ich tauchte in eine lange Nachdenkphase ab, konnte aber keine konkrete Wiederlegung des g5-Zuges finden. Also entschloss ich mich einfach einen normalen Entwicklungszug zu spielen, denn damit kann man normalerweise nicht viel falsch machen: 6.Sc3 Lg7 7.Sf3 Lg4 8.Le2. In der nachträglichen Analyse fand ich heraus, dass dies tatsächlich der beste Weg für Weiß ist. Ein gutes Beispiel dafür, dass die meisten Gambits mit normaler, zügiger Entwicklung beantwortet werden sollten und man sich nicht zu krummen, sofortigen Widerlegungsaktionen hinreißen lassen sollte.


Dass mein Gegner trotz fehlendem g-Bauern wenig später kurz rochierte, wurde ihm zum Verhängnis:


Weiß am Zug

Mit Dh5 kommt die wichtigste Angriffsfigur ins Spiel.



Weiß am Zug

Tatsächlich gibt es hier nur einen einzigen, aber sehr überzeugenden Gewinnzug: Df5! Dies droht den Abzug mit Sf6+ nebst Dh7 Matt. Nach Te8 gibt es viele Wege zum Sieg, ich wählte Sg5, wonach Dh7 nebst Se6 oder Txf7 nicht mehr verteidigt werden kann.


Da ich mit 5/5 an diesem Zeitpunkt des Turniers bereits einen ganzen Punkt Vorsprung hatte, nahm ich das Remisangebot meines Gegners in Runde 6, IM Giorgi Chokonelidze, gerne an.


In Runde 7 ergab sich gegen Rolf Hundack folgende Stellung.


Weiß am Zug

Hier kann Weiß mit Sdb5 in großen Vorteil kommen: Sdb5 cxb5 Lxf6 Lxf6 Sd5 +-. Diesen schönen Trick sah ich allerdings leider nicht in der Partie. Ich spielte Df4, was die erstaunliche Verteidigung zulässt. Wer Spaß an Berechnungsaufgaben hat, ist herzlich eingeladen, die schwarze Verteidigung zu suchen, die zum Ausgleich führt.


Mein Gegner spielte den Zug Se6 Sxe6 Txe6. Nun steht Weiß vor der Frage, ob Txd6 funktioniert oder nicht:



Weiß am Zug, wie ist Txd6 einzuschätzen?

Ich investierte eine halbe Stunde Bedenkzeit und entschied mich für Txd6. Dies erwies sich als die richtige Entscheidung. Mein Gegner versuchte den trickreichen Zug Db4. Es folgte mit Txe6 Dc3 Txf6! ein starkes Qualitätsopfer meinerseits. Nach Dxe1 ist Lf1! wichtig, um den König nicht unnötig in die gleiche Diagonale zu stellen wie die Dame. Nun hatte ich mit Weiß einen glatten Bauern mehr, der Turm kann wegen der schwachen schwarzen Felder nicht geschlagen werden und ich habe Abzugsdrohungen wie Txf7. Bei der Gewinnverwertung tat ich mich etwas schwer und musste ein kompliziertes Damenendspiel mit Mehrbauer zum Sieg führen, was mir nach 6 Stunden Spielzeit schlussendlich gelang.


Runde 8 war dafür umso kürzer, gegen Peter Issing konnte ich meinen Entwicklungsvorsprung nutzen.


Weiß am Zug

Der schwarze König befindet sich noch in der Mitte, die restlichen Figuren stehen unkoordiniert. Es ist also Zeit für schnelle, energische Aktionen im Zentrum: Txd5! exd5 La4 Dd8 e6 1-0 Schwarz kann sich nicht mehr retten.



Nach der 8. Runde stand ich bereits als Turniersieger fest, da ich 1,5 Punkte Vorsprung angesammelt hatte. Dies feierte ich mit meinen Freund Dominik mit einem leckeren Essen schon einen Tag vor Ende des Turniers. Allerdings wollte ich die letzte Runde trotzdem unbedingt gewinnen, da ich nur mit einem Sieg die 2300 Elo überschreiten würde.



Schwarz am Zug

Die weißen Figuren am Damenflügel sind völlig nutzlos für die Verteidigung am Königsflügel. Für mich war es hier mit Schwarz also sinnvoll einen Königsangriff zu starten, um die Abwesenheit von Dame, Springer und Turm auszunutzen. Ich spielte daher Dg4. Nun steht vor allem die Drohung exd4/e4 nebst Lxg3 im Raum. Tatsächlich wäre es noch genauer gewesen, zuerst auf d4 zu tauschen und danach Dg4 folgen zu lassen. Der Vorteil ist, dass nun direkt Lxg3 droht, was Weiß noch weniger Zeit zur Verteidigung lässt. Mein Gegner fand nicht die zähesten Verteidigungszüge, sodass ich auch die letzte Runde gewinnen konnte.


Damit habe ich mich sowohl für die Deutsche Meisterschaft „der Herren“ als auch für die Deutsche Meisterschaft der Frauen qualifiziert.


In meinem letzten Blogeintrag habe ich die Frage, bei welcher von beiden ich mitspiele, noch offengelassen: "Spiele ich bei der Frauen-Meisterschaft mit und versuche meinen Titel als Deutsche Meisterin zu verteidigen oder nutze ich meinen Qualifikationsplatz bei den Herren und mische bei der Deutschen Herren-Meisterschaft mit?"


Da ich davon ausgehe, dass die Meisterschaften zeitgleich ausgetragen werden, muss ich mich für eine entschieden. Oder ich spiele simultan an zwei Bretten 😉

Nach meinen bisherigen Überlegungen bin ich mir (fast) sicher, dass ich bei der Deutschen Meisterschaft „der Herren“ mitspielen werde. Damit geht mir zwar die Chance auf eine Titelverteidigung als Deutsche Meisterin und auch die Chance auf das damit einhergehende Preisgeld verloren, aber ich habe eine neue Herausforderung bei den Herren, inklusive stärkerer Gegner und Normenchancen. Es wird sicher ein superspannendes Turnier für mich werden und ich freue mich schon sehr darauf!


Bis bald,

eure Lara



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