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Runde 10-11 oder wie ich mein persönliches Ziel erreichte


Das Turnier neigte sich dem Ende zu. Langsam musste man aufpassen, noch genauso konzentriert in die Partien zu gehen wie am Anfang, denn für 11 Runden braucht man eine große Portion Ausdauer. Auch wurde der Druck, der auf mir und allen anderen Spielern gerade an den oberen Brettern lastete, immer größer. Nicht einfach, doch wenn man ganz nach oben will, muss man dem Druck standhalten und Nerven behalten.

Das ist mir in der 10. Runde auf jeden Fall gut gelungen. Gegen die Russin Ekaterina Goltseva (2169) revanchierte ich mich für die Niederlage bei der WM 2015 in Griechenland.

In der Vorbereitung war ich mir lange unsicher, welche Nimzo-Indisch-Variante ich spielen sollte. Im Nachhinein bin ich mit meiner Entscheidung sehr zufrieden. Nach der Eröffnung erreichte ich eine gut spielbare Stellung. Nach einem Qualitätsopfer erhoffte ich mir vom Läuferpaar gute Kompensation, doch meine Gegnerin gab die Qualität sofort zurück und wir erreichten ein remises Endspiel mit Türmen und Leichtfiguren. Ich bot ihr Remis, doch sie lehnte ab, was sie später bereuen sollte. Im weitern Verlauf verlor sie ihre Mehrheit am Damenflügel und mit dem Mehrbauern ließ ich nichts mehr anbrennen und siegte.

Nun hatte ich mich bis ganz an die Spitze vorgearbeitet und kam ich in der letzten Runde gehen die Aserbaidschanin Govhar Beydullayeva (2202) dran. Ich wusste, dass ich auf keinen Fall verlieren durfte, dann wäre ich nicht mehr Top Ten. Ich versuchte mir meine Nervosität nicht anmerken zu lassen. Der Partieverlauf war ein hin und her, bei dem sie eine Chance ausließ gleich in der Eröffnung einen großen Vorteil zu bekommen und ich später ebenfalls meine bessere Stellung nicht gewinnen konnte. Remis war das gerechte Ergebnis dieser Partie (mein erstes und einziges Remis bei 11 Runden) und das sicherte mir den 10. Platz.

Damit habe ich mein persönliches Ziel erreicht und meine beste WM überhaupt gespielt, bei der ich sogar noch 25 Elo gewinne.

©2020 Lara Schulze